Sonthofen - Gerade bei einer Ausstellung wie der "Südlichen", bei der dem Besucher unterschiedlichste Stile und Richtungen der Bildenden Kunst präsentiert werden, stellt sich für jeden Besucher schon bald die Frage: Ist das Kunst? Oder: Wie soll ich das verstehen? Wie mich dieser Art von Werk nähern?
Die Diskussion darüber, was Kunst ist, besteht schon solange, wie es Menschen gibt, die den Anspruch haben, etwas zu schaffen, was aus der Natur und dem Alltag hinaus ragt. Doch gibt es überhaupt objektive Kriterien, mit denen sich Kunst definieren lässt?
All diese Fragen beschäftigten auch Philosophen und so lag es nahe, anlässlich der Ausstellung in der Sonthofer Markthalle sich diesem Problem von Seiten großer zeitgenössischer Denker zu nähern, zumal das Allgäu mit Dr. Magdalena Willems-Pisarek eine lokale Größe in Sachen Philosophie kennt, die darüber hinaus selber als bildende Künstlerin arbeitet und sich so nicht nur in Vorträgen, sondern auch in Ausstellungen eigener Bilder als kompetent in dieser Materie erwiesen hat.
Mit Theodor Adorno, Jean-Franois Lyotard und Wolfgang Welsch stellte Dr. Magdalena Willems-Pisarek drei Denker aus jüngster Vergangenheit vor, die sich mit unterschiedlichen Ansätzen dem Problemkind Kunst nähern.
Adorno verdeutlichte in seinen Ansätzen, dass die Ästhetik nicht mehr ausreichend durch Kriterien wie Schönheit und Harmonie zu beschreiben ist und führte den Begriff der Erhabenheit ein. Doch was ist Erhabenheit? Hier entwickelte sich gleich eine von Dr. Magdalena Willems-Pisarek angeregte Diskussion unter den Besuchern des Vortrags. Es kristallisierte sich sehr schnell heraus, das Erhabenheit nicht die Darstellung von Heldentum oder erstaunender Natur meinen kann, sondern dass es dabei um die Form und den künstlerischen Prozess geht.
Ganz anders nähert sich Jean-Franois Lyotard der Kunst. Er postuliert die Pluralität in allem und Ästhetik wird zur obersten Denkerpflicht. Im Gegensatz zur Schönheit, die den Betrachter mit einem Werk versöhnt, steht bei ihm Erhabenheit als Konflikte erzeugende Kraft, die den Betrachter herausfordert und den Künstler befreit.
Zwischen Adorno und Lyotard vermittelt Wolfgang Welsch, der uns auffordert, sich mit der Pluralität abzufinden. Bei ihm gewinnt die Kunst geradezu prophetische Fähigkeiten, die uns auf die Moderne vorbereiten, wenn wir sie auf der Hauptkategorie des Erhabenen basierend betrachten.
Eine endgültige Lösung gibt es nicht und die von Dr. Magdalena Willems-Pisarek aufbereiteten komplexen Denkansätze vermögen allenfalls den Blick auf die Ausstellung zu weiten. Mancher wird nun anders hinschauen. Sicherlich ein Erfolg, den man einem größeren Publikum gewünscht hätte.